Wilhelmshaven (WHV), 1869 als preußischer Kriegshafen gegründet, ist eine junge Hafenstadt an der Nordsee (Jadebusen) mit etwa 80.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt (nach Bremerhaven 120.000) – sowie mit zahlreichen Soldaten stationiert (Militärhafen). WHV ist Deutschlands größter Militär- und Marinestützpunkt, besitzt den einzigen Tiefwasserhafen des Landes mit dem relativ neuen Jade-Weser-Port und ist ein wichtiger Umschlagplatz für Erdöl , LNG-Gas (zwei neue Terminals) und Container; als zweitgrößter Hafen nach Hamburg. Wahrzeichen ist die historische und ästhetische königsblaue Kaiser-Wilhelm-Brücke von 1907, die eine innovative mobile Drehbrücke ist; die größte in Europa.
Hier sind weitere wichtige Fakten:
- Subjektives: Wohnte hier über 2 Jahre parallel 1 KM vom Meer. Mir gefiel die Stadt ganz gut. Abwechslungsreich und kompakt. Highlights: Die Südstrand-Promenade am Wattenmeer-Deich aus den 80igern (ist aber keine Südsee!), die Deichwege, die Fahrradwege und das Kulturzentrum Pumpwerk mit Open-Air machen Spaß – sowie die diversen Boule-Plätze. Die Stadt ist ideal auch als Basislager für Ausflüge (Varel-Dangast, Hooksiel, Sandstrand Schillig-Horumersiel mit Bus, Jever, Oldenburg mit Zug stündlich). Es gibt aber Straßenzüge, die haben den verfallenen Schlagloch-Charme von Wanne-Eickel, diese düsteren Klinker-Steine allgegenwärtig sind auch gewöhnungsbedürftig etwas trist – gerade bei Regen etwas unsympathisch (Geschmacksache; landestypisch). WHV auch sehr von Marine/Militär dominiert (Soldaten sowie Militär-Gebäude- und -Schiffe im Stadtbild), was im neuen Zeitalter des Ukraine-Krieges zart besaitete Seelen zuweilen nachdenklich macht, da man als Katastrophist die Fantasie entwickelt, Putin könnte eines Tages Lust haben, Wilhelmshaven mit Bömbchen zu besuchen. Immerhin war ich auf mehreren modernen Fregatten (Hamburg & Nordrhein-Westfalen), die im Rahmen von Stadtfesten besichtigt werden konnten. Im Vergleich Bremerhaven (insbesondere BHV-Lehe) oder Essen/Ruhr (je nach Stadtteil sehr unterschiedlich) sehr niedriger Migrantenanteil (10%), man fühlt sich subjektiv auch irgendwie sicher (außer man ist ein Fahrrad). Neben Fischbuden mangelt es trotzdem nicht an günstigen Döner-Buden. Besonders gut gefiel mir die günstige Vereins-Gastronomie am Segelhafen sowie etwas teurer am Südstrand Le Patron; meist gut besucht (Außengastronomie & toller Saal). Aber auch andere Gastronomien nebenan (Seerose/Seenelke) haben attraktives Essen und Zimmer mit Meerblick). Am Südstrand findet eigentlich jeder was. Das Aquarium-Restaurant (Frühstück) mit Meerblick ist auch fein/groß/modern. Für fettere Geldbörsen ist die Gastronomie am Fliegerdeich gleich neben der PKW-Meeres-Aussichtsplattform (auch für Wohnmobile) – eine ideale Anlaufstätte. Hotelzimmer, Pensionen, 60qm-Appartements gibt es relativ günstig schon ab 40 Euro/Nacht. Auch ein B&B und großes Hotel-Atlantic am Meer und Banter See sind alternativ vor Ort. Der Banter-See (Rundweg) ist auch sympathisch für etwas bewalderte Wanderungen vor Ort, Wald ist am Wattenmeer Mangelware. Im zentralen Einkaufszentrum Nord-See-Passage und City kann man shoppen (TK-Maxx, Mediamarkt & Co.). Das Stadt-Theater war größer und besser als ich erwartete, das Multiplex-Kino ebenso. Die Friesen hier sind überraschend zugänglich und kontaktfreudig-kommunikativ. Das Klischee des wortkargen, introvertierten Eingeborenen trifft hier nicht zu.
- Geografie & Klima: Die Stadt ist von flachen Marschlandschaften umgeben und liegt nur etwa 2 Meter über dem Meeresspiegel. Sie ist vom UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer umgeben. Das Wattenmeer ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, im Laufe der Zeit lernt man es mitunter auch schätzen, da so die Nordsee zwei unterschiedliche Gesichter parat hat. Es regnet etwas mehr wie in NRW, aber dafür sind die Sommer auch nicht so heiß. Es gibt aber auch Menschen, die können sich mit Wattenmeer gar nicht anfreunden (Ebbe&Flut wechseln sechsstündig). Galt aber wirklich nicht für mich. Mochte auch Wind und Sturm (schön lebendig).
- Wahrzeichen: Die Kaiser-Wilhelm-Brücke, erbaut 1907, ist eine der größten Drehbrücken Europas. Die sog. Südstrandpromenade mit diverser Gastronomie ist ein weiteres Highlight nebenan.
- Wirtschaft: Neben dem Hafen sind Marine, Tourismus und chemische Industrie zentral (Raffinerien). Es ist ein Hauptstandort für den Erdölimport und wichtiges LNG-Gas; mit zwei neuen Terminals.
- Kultur & Tourismus: Viele Museen garnieren das Stadtbild: Bekannt ist das Deutsche Marinemuseum, das Aquarium mit Haien, Seelöwen, Pinguinen, das Wattenmeerhaus (tolle Aussicht vom Dach) u.a.. Und als jährliche Event gibt es das „Wochenende an der Jade„, ein Kirmesfest mit Musik-Bühnen und Riesenrad am Meer. Besonders hervorzuheben ist jährlich die Sail Wilhelmshaven, bei der diverse Segelschiffe sich mehrere Tage zur Besichtigung im Rahmen eines Festes im Großen Hafen bei der Kaiser-Wilhelm-Brücke einfinden Sie können auch für Segeltörns gebucht werden. Die Stadt bietet im Kulturzentrum Pumpwerk Touristen und Eingeborenen regelmäßig in der Saison wöchentlich kostenlos mittwochs gut besuchte Open-Air-Konzerte (Coverbands bspw. zu Fleetwood-Mac, Marius-Müller-Westernhagen, Rolling Stones). Davon könnten sich Ruhrgebietsstädte Scheibe abschneiden. Am Wochenende ist hier Disko. Es gibt eine gute Außengastronomie. Die vielen Fahrradwege an der Nordsee bspw. Richtung Varel-Dangast, um den Banter See, am Fluß Maade, oder am Jade-Ems-Kanal Richtung Sander See gestalten das Biken abwechslungsreich; auch durch die Parks und City allgemein. Auch zwei Theater und ein Multiplex-Kino sowie die Nordsee-Passage als zentrales Einkaufszentrum neben dem Bahnhof und ZOB bringen im etwas tristen touristenlosen Winter etwas Schwung in die Stadt. Diverse Boule-Plätze (insbesondere am Pumpwerkt) sowie ein Segelhafen (mit günstiger Gastronomie) runden das Freizeitangebot neben einem Schwimmbad ab. Es gibt auch zwei Fährverbindungen, u.a. nach Helgoland. Auch der neue Jade-Weser-Port kann besichtigt werden. Einzig: ein richtiger breiter Dühnen-Sandstrand (wie in Holland) gibt es hier nicht am Deich-Meer. Dafür kann man aber auf den Nachbarort Hooksiel oder im nördlich auf Schillig-Horumersiel (mit Bus erreichbar) ausweichen. Das Busnetz ist attraktiv und viele Dinge kann man zu Fuß oder mit dem Fahrrad in dieser kompakten Stadt (mit Krankenhaus) erledigen. Ein interessantes Gesamtpaket.
- Besonderheit: Die Schreibweise mit „v“ (statt „f“) wurde bei der Gründung 1869 nach niederdeutschem Brauch festgelegt. Gilt für alle Häfen rund um Friesland (Bremerhaven, Cuxhaven etc.). Es gibt aber auch fiese Gerüchte, dass Gründervater Kaiser Wilhelm mit Rechtschreibung kämpfte, was ich aber nicht wirklich glaube. Ist nur lustig.
- Bildung: In der Stadt befindet sich die Jade Hochschule.
- Preise: Wilhelmshaven hat günstige Lebenshaltungskosten (Immobilienpreise, Mieten) – ähnlich niedrig wie in Bremerhaven und Emden. Daher fühlen sich viele Rentner berufen, diesen Ort abschließend aufzusuchen. Die Arbeitslosenquote ist relativ hoch, da Region in Strukturkrise lebt (Fischerei & Hafenlogistik). Der Tourismus wird hier eher nur nebenbei betrieben (anders wie in Cuxhaven mit 4 Millionen Übernachtungen).
